Die EHM Coronalen: Teil 4 "Systemrelevant"

Am 25.03.2020 hat die ADD (Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion) alle Schulen darum gebeten, bis zum Schuljahresende "auf sämtliche Studien-, Klassen- und Kursfahrten sowie Schüleraustausche zu verzichten." Das bedeutet de Facto für das Europahaus Marienberg: Bis zum Sommer werden wir keine Jugendseminare durchführen können. Alles was danach kommt ist mehr als ungewiss. Alle Projekte sind wackelig. Die Prognosen düster. Verschieben ist für die meisten unserer Projekte - aus unterschiedlichen Gründen - leider keine Option. Es ist verrückt und die Anzeichen mehren sich, dass viele Akteure die außerschulische Bildung in Post-Corona-Zeiten für "erstmal verzichtbar" halten könnten. Dieser vollkommen irrigen Annahme müssen wir an dieser Stelle entgegentreten:

Wir leben in entscheidenden Zeiten. Die Corona-Pandemie überlagert im Moment alles und jeden. Ihre Unmittelbarkeit sorgt dafür, dass wir alles andere erfolgreich ausblenden können, vielleicht sogar müssen. Aber irgendwann wird die Pandemie vorbei sein und den Blick auf die größte Herausforderung unserer Zeit wieder freigeben: Die Klimakrise (mit allen gesellschaftlichen, politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Implikationen).

Wir werden neue Narrative brauchen, um mittelbare und unmittelbare Zukünfte zu gestalten. Vielleicht hilft uns Corona dabei, unsere gestalterische Kraft wieder zu entdecken und hoffentlich hält die Erkenntnis dauerhaften Einzug, dass wir individuell und kollektiv in der Lage sind umzudenken. Corona kann uns im besten Falle lehren, dass wir die Kraft haben eingefahrene, selbsterhaltende Systeme nicht nur abzuschalten sondern auch, sie nicht wieder hochzufahren.

Für die kommenden politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufräumarbeiten werden wir - mehr denn je - alle Formen der außerschulischen Bildung brauchen. Dem oft belächelten Quartärbereich der Bildung wird eine besondere Wichtigkeit zukommen: Künstlerische Bildung, Musikalische Bildung, Herzensbildung, Politische Bildung (uvm.) - wir werden die Angebote dieser Bildungslandschaften dringend benötigen, um Menschen in ihre mündigen Potentiale zu begleiten. Wir werden viele mündige, Selbst-Bewusste Menschen brauchen, um unsere (europäischen und globalen) Gesellschaften in die notwendigen Transformationsprozesse zu führen. Genau das tut die außerschulische Bildung. Wir bringen (junge) Menschen zusammen. Wir ermutigen und lehren sie, sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen. Wir helfen ihnen dabei, wieder neugierig auf die Welt zu blicken. Darum ist die außerschulische Bildung absolut Systemrelevant!

Und deshalb wollen wir uns an dieser Stelle nicht nur mit allen Einrichtung der politischen Bildung solidarisieren und auf unsere beängstigenden Situationen hinweisen; wir wollen sämtliche Einrichtungen der außerschulischen Bildung - die bedauernswerter Weise kaum eine Lobby haben - in unser Plädoyer mit einschließen. Die Gesellschaft braucht uns. Jetzt. Und in allen Zukünften. Das ist kein Wunschdenken. Das ist eine Tatsache.

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