Corona kills our projects - Europahaus-Update aus der Krise

Die Absagen treffen uns hart und sie kommen jetzt fast täglich. In der ersten Jahreshälfte werden viele Bildungsveranstaltungen in unserer Einrichtung ausfallen müssen. Die bundesweite Schulschließung wirkt sich unmittelbar auf unsere Projekte aus. Die Maßnahmen sind richtig und wichtig, aber für uns sind die damit einhergehenden Absagen eine Katastrophe. Wir fahren das Europahaus derzeit auf halber Flamme und während unsere Mitarbeiter aus der Hauswirtschaft kaum mehr Arbeit haben, stehen Studienleitung und Verwaltung nun vor der Aufgabe die Fracht zu vertäuen, einen Kurs festzulegen und das schwankende Schiff möglichst unbeschadet durch den Sturm zu steuern. Kurzarbeit, Lohnverzicht, Überstunden und Urlaub abbauen - es gibt derzeit keine Denkverbote. Wir koordnieren uns mit allen institutionellen Partnern, verschieben Projekte in eine ebenfalls ungewisse zweite Jahreshälfte, schreiben Anträge und entwickeln neue Bildungsformate. Sogar über die Digitalisierung unserer Bildungsangebote haben wir schon gesprochen, aber am Ende des Tages bleibt die Erkenntnis: Wir sind ein Haus der interkulturellen Begegnung! Begegnung ist unsere DNA und die physische Infrastruktur des Europahaus Marienberg. Die kommenden Tage werden uns vor weitere Herausforderungen stellen und die sich stündlich ändernde Informationslage führt bei uns zu neuen Perspektiven auf Politik und Gesellschaft.

Die Welt hat Fieber, Europa hat Keuchhusten und Deutschland eine kapitale Mittelohrentzündung mit einhergehenden Gleichgewichtsschwankungen. Die derzeitige Krise ist für uns auch eine Art Brennglass, unter dem sowohl die Defizite als auch die Chancen für unsere Gesellschaften sichtbar werden. Solidarität, Gesundheit, Freiheit, Gleichheit, Demokratie, Ehrlichkeit, Freundschaft... diese Begriffe bekommen nun völlig neue individuelle und kollektive Relevanz. In Krisenzeiten können wir diese großen Fragen hautnah beobachten und erfahren anstatt nur über sie zu sprechen.

Wir sind fest davon überzeugt, dass das Europahaus Marienberg ein wichtiger Ort (in Land und Bund) ist, an dem junge Menschen mit diesen Werten persönlich und politisch in Kontakt kommen. Die bewegenden, tiefen (Erkenntnis-)Prozesse, durch die wir gemeinsam mit den Jugendlichen gehen dürfen (sozial, kulturell und politisch), haben uns alle eng mit diesem Haus und seiner Aufgabe verbunden. Jetzt gerade kämpfen wir daher - wie viele andere auch - nicht nur um unsere Jobs, sondern besonders um das großartige Ganze, das mit unseren Jobs verbunden ist. Wir halten Euch auf dem Laufenden und wünschen ualles Gute für die nahe und mittelfristige Zukunft.

Dazu passend kommt heute morgen der Aufruf "Es geht um die Existenz!" des Bundesausschusses für Politische Bildung:

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